Yersiniose
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Yersiniose


Vgl. auch Internet-Infos
des RKI: http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/2004/31_04.PDF


Yersiniose
Unter der Sammelbezeichnung Yersiniose werden durch Yersinia-Bakterien verursachte Krankheitsbilder zusammengefasst. Sie können weltweit auftreten.

Die enterale Yersiniose ist eine infektiöse Durchfallerkrankung mit krampfhaften Bauchschmerzen und Fieber. Sie wird durch bestimmte Serotypen von Yersinia enterocolitica oder Yersinia pseudotuberculosis verursacht. Infektionsquellen können kontaminierte Lebensmittel (rohes Fleisch), Trinkwasser oder Haustiere sein. Damit zählt sie auch zu den Zoonoosen. Der Nachweis erfolgt durch eine mikrobielle Untersuchung der Stuhlprobe. Zur Therapie werden Antibiotika (Tetrazykline, Gyrasehemmer) eingesetzt. Spätfolgen können eine Yersinia-Arthritis und Erythema nodosum sein.

Wegen ihrer Symptome wird sie auch als Pseudoappendizitis bezeichnet. Sie fällt in Deutschland unter die meldepflichtigen Erkrankungen (Bei Verdacht, Erkrankung und Tod ist das Robert-Koch-Institut zu informieren). Im schweizerischen Tierseuchengesetz zählt sie zur Liste der zu überwachenden Seuchenerkrankungen.





Yersiniose
Nach dem Infektionsepidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten des Robert Koch-Instituts (RKI):
Die enterale Yersiniose wird durch Bakterien der Gattung Yersinia, insbesondere Y. enterocolitica hervorgerufen. Die Infektion mit Y. enterocolitica kann über kontaminierte Lebensmittel vorwiegend tierischer Herkunft, Trinkwasser oder in seltenen Fällen direkt über infizierte Personen erfolgen. Zum klinischen Bild gehören Durchfallerkrankungen, in deren Folge es zu reaktiven Gelenkentzündungen kommen kann.

 Erreger
Yersinia pestis (Bakterien)

(Pseudoappendizitis)

Definition
– Darminfektion mit Yersinien, die auch in die enteralen Lymphknoten gelangen.

Information zur Yersiniose
Wie äußert sich die Erkrankung? Die Yersiniose ist eine weit verbreitete Darminfektion, die durch Bakterien (Yersinia enterocolitica) hervorgerufen wird. Kinder und Jugendliche sind am häufigsten betroffen. Die Erkrankung beginnt etwa 7 bis 10 Tage nach der Ansteckung mit breiigem Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Fieber. Bei älteren Kindern und Erwachsenen können starke Bauchschmerzen auftreten, die häufig eine Blinddarmentzündung vortäuschen. Bei Erwachsenen können Yersinien auch grippeähnliche Beschwerden verursachen. In seltenen Fällen treten nach der Infektion lang anhaltende Gelenkentzündungen auf. Bisweilen kann die Erkrankung auch nahezu unbemerkt verlaufen. Solange Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden, besteht Ansteckungsgefahr.





 Erreger
Erreger
– Yersinia enterocolitica
– gramnegatives, fakultativ aerobes Stäbchen aus der Familie der Enterobacteriaceae mit plasmidcodierter Virulenz
– zahlreiche humanpathogene Serogruppen



Erreger: Yersinia spez., Y. enterocolitica, Y. pseudotuberculosis (verschiedene Serotypen, gramnegative, bewegliche Stäbchen. Familie der Enterobacteriaceae)


Yersinia pseudotuberculosis, Familie Enterobacteriaceae. Gramnegative Stäbchenbakterien. Hohe Tenazität des Erregers in Wasser, organischen Materialien und Lebensmitteln; im Erdboden überleben Yersinien über Monate.



Subakute bis chronische Infektionskrankheit. Die Yersiniose verläuft i.d.R. klinisch unauffällig, endet aber nach einigen Wochen mit dem Tod der erkrankten Tiere. Mensch: selten, enterale Form die sich als eine Pseudoappendizitis” mi Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im rechten Unterbauch äussert. Der Verlauf ist in den meisten Fällen komplikationslos und gutartig; die Infektion erfolgt meist über kontaminierte Lebensmittel.


Yersinia pseudotuberculosis ist der Erreger der Pseudotuberkulose. Das Bakterium Yersinia enterocolitica ist der Erreger der Yersiniose.


Yersinia enterocolitica tritt weltweit auf. Die meisten Infektionen finden aber in kühlerem Klima auf. In Deutschland ist der Erreger die dritthäufigste bakterielle Ursache für Durchfallerkrankungen.



 Verbreitung
Epidemiologie
– Weitverbreitete sporadische Erkrankung in den gemäßigten Klimazonen, weniger in den subtropischen
– epidemische Häufungen (Trinkwasser, Lebensmittel) wurden beobachtet



Weltweit,
Wirte sind viele Säugetierarten, vor allem Nagetiere (z.B. Meerschweinchen) und Haustiere (Hasen, Kaninchen, Geflügel, Vögel, Pferde, Schweine, Rinder, Schafe, Hunde, manchmal Katzen) und Mensch.
Verbreitung: weltweit, hauptsächlich in gemäßigten Klimazonen


 Ansteckungsmodus
Welche Übertragungswege sind bekannt? Die Infektion mit Yersinien erfolgt hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser und den Verzehr erregerhaltiger Nahrungsmittel. Die Bakterien werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Bei unzureichender Hygiene (z. B. nach dem Toilettenbesuch), können die Bakterien über die Hände von Mensch zu Mensch weitergegeben werden (fäkal-orale Übertragung, sog. Schmierinfektion).




Übertragung
– Y. enerocolitica kommt im Darm (und Rachen) bei einer großen Zahl von warmblütigen Wild-, Heim- und Nutztieren vor
– Übertragung auf den Menschen alimentär (kontaminiertes Trinkwasser und Lebensmitttel)


Infektionsweg: Aufnahme des Erregers über kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser. Die Yersiniose ist eine Zoonose. Das Hauptreservoir für Y. pseudotuberculosa sind wilde und domestizierte Vögel sowie verschiedene Säugetiere, der Mensch ist nur zufällig betroffen. Die Hauptinfektionsquelle des Menschen für Y. enterocolitica stellt wahrscheinlich das Schwein dar, dessen Pharynx stark mit Yersinien besiedelt sein kann. Aufgrund dessen hält man unzureichend gekochtes Schweinefleisch für eine wichtige Infektionsquelle.



Die Möglichkeiten der Übertragung sind vielfältig
Eine Übertragung der Krankheitserreger erfolgt über den Verzehr kontaminierter tierischer Lebensmittel (rohes oder ungenügend erhitztes Schweinefleisch, Rohmilch) oder über infiziertes Trinkwasser, sowie, wenn auch selten, von Mensch zu Mensch. Auch ein direkter Kontakt mit infizierten Tieren kann zu einer Ansteckung führen. Zudem können die Krankheitserreger über infizierte Arbeitsflächen, Geräte (z.B. Küchenmesser) und die Hände verbreitet werden. Eine Besonderheit von Yersinia enterocolitica besteht darin, dass sich dieses Bakterium auch bei niedrigen Temperaturen (z.B. Lagerung von Schweinefleisch im Kühlschrank) vermehren kann.


 Inkubationszeit
Inkubationszeit
– 3 - 10 Tage



Inkubationszeit 2 - 5 Tage
Die Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Infektion und Erkrankung) beträgt 2 bis 5 Tage (maximal 10 Tage). Nach Aufnahme der Krankheitserreger gelangen diese in den Darm, wo sie zu einer Darmentzündung führen. Diese äußert sich in Form von Durchfällen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Fieber. Die Dauer der Erkrankung beträgt wenige Tage bis 2 Wochen. Allerdings werden die Krankheitserreger durch die Betroffenen noch für etwa 2 bis 3 Wochen ausgeschieden, auch wenn keine Krankheitszeichen mehr bestehen.

Dauer der Inkubation: 3-10 (in der Regel 3-7) Tage


 Immunität

 Krankheitsbild


Symptomatik: Die Krankheit beginnt meist akut mit wässrigen Durchfällen (insbesondere bei Kleinkindern), abdominellen Schmerzen, Fieber, Kopfschmerzen, Pharyngitis, Übelkeit und Erbrechen. Bei älteren Kindern kann es zu einer Lymphadenitis mesenterica kommen, deren klinisches Bild einer Appendizitis ähnelt (Pseudoappendizitis). Bei ca. 10% der betroffenen Erwachsenen (v.a. bei Frauen) entwickelt sich ein Erythema nodosum. Septische Verläufe sowie das Entstehen einer Osteomyelitis oder von Leberabszessen sind bekannt (insbesondere bei Immunschwäche). Postinfektiös kann es zu einer reaktiven Arthritis, Urethritis oder Iritis kommen (Reiter-Syndrom, nahezu ausschließlich Erwachsene). Y. enterocolitica führt eher zu einem gastroenteritischen Krankheitsbild, während Y. pseudotuberculosa häufiger das Bild einer Pseudoappendizitis zeigt.



relativ unspezifisch; hohe Letalität
10 - 20 Prozent entwickeln schwere Symptomen
Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen kann es zur Entwicklung eines akuten Abdomens (lebensbedrohlicher Zustand mit plötzlichen heftigen Bauchschmerzen, harter Bauchdecke, Darmlähmung, Kreislaufbeschwerden evtl. Fieber und Schock) kommen mit mensenterialer Lymphadenitis (Schwellung der Lymphknoten, weil sich der Erreger über die Lymphgefäße ausbreitet) und akuter terminaler Ileitis (entzündliche Erkrankung des Dünndarms) oder Pseudoappendizitis (Pseudoblinddarmentzündung).

Bei Immunschwäche kann es zur Sepsis kommen
Bei 0,5 bis 1,5 Prozent kommt es zu einer Septischen Verlaufsform. Davon sind Menschen mit einer Immunschwäche, wie sie bei Diabetes, Tumoren, Leberzirrhose oder Alkoholismus auftritt, am ehesten betroffen. Als gefürchtete Folgeerkrankungen können Rheumatoide Arthritis, Gelenkschmerzen oder Erythema nososum (Hauterkrankung mit Rötungen und Knötchenbildung an beiden Unterschenkelstreckseiten, Knie- und Fußgelenken, seltener an Unterarmen und Gesäß) auftreten. Diese möglichen Folgeerkrankungen treten dann etwa 1 bis 3 Wochen nach Krankheitsbeginn auf. In seltenen Fällen können sie aber auch gleichzeitig mit der Yersiniose in Erscheinung treten.


Komplikationen sind selten
Sehr selten treten durch Yersiniosen Komplikationen auf. Möglich sind dann Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen), Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels), Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut) oder Reiter-Krankheit (entzündliche Systemerkrankung).

Komplikationen
– Schwere septikämische Verläufe bei Abwehrschwäche

Klinik
– Enteritis
– Enterokolitis (bei Kindern bis zu 6 und Erwachsenen > 30 Jahren)
– Ileitis terminalis
– mesenteriale Lymphadenitis mit "Pseudoappendizitis" (Altersgruppe 10 - 30 Jahre)
– Folge und Begleiterkrankungen:
• reaktive Arthritis
• Erythema nodosum
• Uveitis



 Diagnose
 Verdachtsdiagnose: pathologisch-anatomisch multifokale grau-weisse Knötchen mit verkästem Inhalt in Leber, Milz und Teilen des Gastro-Intestinaltraktes
 Erregernachweis aus Organen

Diagnostik
– Erregernachweis kulturell (aus Stuhl oder Venenblut)
– Serodiagnostik zum Nachweis einer Serokonversion der agglutinierenden Antikörper bzw, mittels indirekter Hämagglutination oder ELISA
– IgA-ELISA bei Verdacht auf Folgeerkrankung (reaktive Arthritis)

Diagnostik: Nachweis des Erregers durch Anzucht (evtl. nach Kälteanreicherung) aus Stuhlproben und ggf. aus Biopsien oder Blut. Eine biochemische und serologische Typisierung des Erregers sollte angestrebt werden. Nachweis von spezifischen Antikörpern.

Der Erregernachweis ist notwendig
Die Diagnose wird anhand der bestehenden Beschwerden sowie mittels Labordiagnostik gestellt. So lassen sich bei einer Blutuntersuchung gegen den Erreger Yersinia enterocolitica gerichtete Antikörper (vom Immunsystem hergestellte Eiweiße) nachweisen. Außerdem ist es möglich, die Bakterien aus Stuhlproben anzuzüchten.



  Prophylaxe
 Prophylaxe, Immunität: Nahrungsmittelhygiene


 
 
 
Wie schütze ich mich und andere vor Ansteckung?
· Waschen Sie Ihre Hände vor dem Essen und nach jedem Toilettenbesuch gründlich.
· Bewahren Sie rohes Fleisch und Wurstwaren sofort nach dem Einkauf im Kühlschrank
auf.
· Verzehren Sie Speisen innerhalb von zwei Stunden nach dem letzen Aufwärmen. Speisen sollten langfristig nicht warm gehalten werden.
· Kochen Sie Wasser aus Quellen oder Brunnen ab, bevor Sie es trinken oder Speisen damit zubereiten.
· Verwenden Sie zu Hause ein eigenes Handtuch oder Einmalhandtücher. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre eigene Seife verwenden oder Flüssigseife aus geeigneten Spendern benutzen.
· In Gemeinschaftseinrichtungen sollten grundsätzlich Einmalhandtücher und Flüssigseife aus geeigneten Spendern verwendet werden.




 Therapie
Behandlung mit Antibiotika bei schweren Fällen
Bei ansonsten gesunden Menschen ist bei einer Yersiniose keine spezifische Therapie erforderlich, weil das Immunsystem eigenständig in der Lage ist, die Infektion zu bekämpfen. Weil es aber durch die Durchfälle zu größeren Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten kommen kann, ist die Zufuhr ausreichender Mengen an Flüssigkeit notwendig, eventuell ergänzt durch die Gabe von Elektrolyten. Bei einer schwereren Erkrankung kann die Verabreichung von Antibiotika notwendig werden. Sinnvoll sind Tetracycline, Cotrimoxacol, Chinolone und Cephalosporine der dritten Generation.

Therapie: Cotrimoxazol, Tetracycline, Quinolone. Eine antibiotische Therapie ist nur bei schweren Verläufen indiziert.

Therapie
– Ciprofloxacin, Levofloxacin, Cotrimoxazol, Doxycyclin

Wie wird die Yersiniose behandelt?
In aller Regel reicht eine Behandlung der Beschwerden aus (sog. symptomatische Behand-
lung). Trinken Sie ausreichend, um Flüssigkeits- und Salzverluste, die durch Erbrechen und
Durchfall entstehen, auszugleichen (z. B. Cola und Salzstangen, Bananen). Achten Sie auf
Bettruhe und körperliche Schonung. In schweren Fällen kann eine Behandlung mit Antibioti-
ka und/oder Infusionen notwendig sein.


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